Willkommen beim "Brandenburgischen Innovationsprogramm für E-Business und Medienkonvergenz" (BIEM)
Mit BIEM testete das Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg im Rahmen der "Innovativen Maßnahme zur regionalen Entwicklung" gemeinsam mit der Europäischen Union neue Wege zur Nutzung neuer Technologien in kleinen und mittleren Unternehmen. Die Ergebnisse liegen jetzt vor. Download der BIEM-Broschüre
Im Zeitraum von Januar 2002 bis Dezember 2005 wurden in Brandenburg Maßnahmen in kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 5,5 Mio. Euro unterstützt. Schwerpunkt war die verstärkte Nutzung moderner IuK-Technologien und die Kooperation zwischen den Betrieben.
BIEM wurde von der Landesinitiative "Brandenburger Informationsstrategie 2006" (BIS 2006) koordiniert und in drei Aktionsfelder unterteilt: bb.netz, bb.media und bb.markt
Ziele und Mittel (Instrumente) des BIEM-Programms
Zukünftiges Wirtschaftswachstum wird von den Unternehmen ausgehen, die befähigt sind, die neuen technologiebedingten Wirtschaftsstrukturen und Märkte zu erkennen und gezielt zu nutzen. Was bedeutet dies für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in strukturschwachen Regionen wie Brandenburg?
Sind sie bereit und in der Lage, neue Technologien als ein wichtiges Instrument zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit einzusetzen? Wie Umfragen zeigten, scheuen heute jedoch noch viele Unternehmen den mit der Nutzung neuer Technologien verbundenen Wandel der Geschäftsprozesse und Unternehmensstrukturen. Die Probleme des Tagesgeschäfts und eine fehlende Kapitaldecke werden als Gründe angegeben. Auch die Intermediäre wie die Kammern haben ihre Möglichkeiten, den Strukturwandel zu fördern, noch nicht voll ausgeschöpft. Hier setzte das „Brandenburgische Innovationsprogramm für E-Business und Medienkonvergenz" (BIEM) an.
Es ging deshalb nicht um die Entwicklung neuer Technologien, sondern um die tatsächliche, strukturverändernde Nutzung vorhandener neuartiger Technologien im Unternehmen und zwischen den Unternehmen. Dabei darf die Nutzung der Technologien kein Selbstzweck sein, um Fördermittel zu ergattern, sondern muss zum Auslöser für neuartige Handlungsstrukturen in den Unternehmen, dem Erwerb der damit verbundenen neuen Befähigungen und für den Ausbau einer hochwertigen technologischen Infrastruktur werden.

Seit Jahren wird in ganz Deutschland eine Erfahrung gemacht: Wir fördern zwar die Entwicklung technologischer Produkte und Verfahren, aber deren Nutzung in der betrieblichen Praxis kommt noch immer zu kurz. Diese einseitige Entwicklung sieht die Europäische Kommission ebenso. Sie unterstützt deshalb mit den innovativen Maßnahmen und der RISI-Initiative die Suche nach neuen Wegen der Förderung des Strukturwandels bei kleinen und mittleren Unternehmen in strukturschwachen Regionen.
Warum reichen die institutionellen Instrumente des Technologietransfers als Mittel zur verstärkten Nutzung neuer Technologien nicht aus?
Erfahrungen von BIEM - Neuartige Märkte methodisch erschließen
Wir sind in der Programmdurchführung stufenweise vorgegangen, um den während der Umsetzung gemachten Erkenntnisgewinn sofort nutzen zu können. Deshalb hatte das Programm selbst einen iterativen Charakter und ist in folgenden drei Schritten abgelaufen:

- Die Teilprogramme bb.netz und bb.media zielten auf vorhandene sichtbare Märkte, die durch die Nutzung neuer Informationstechnologien (Netzwerke) bzw. Technologiekonvergenzen (Film und Internet) zu erschließen waren.
- Mit bb.markt ging es um neuartige Geschäftsprozesse und intermediäre Dienstleistungen in diesen bestehenden Märkten, die erst durch die Nutzung neuer Technologien möglich werden.
- Ausgehend von den Erfahrungen aus 1. und 2. zielte der dritte Programmschritt (bb.markt-E-Health) auf neue, bisher unsichtbare Märkte. Mithilfe technologiebasierter, intermediärer Dienstleistungen wurde ein neuer Markt in der Gesundheitsbranche erschlossen.
Wie war ein Erkenntnisgewinn während des Prozesses möglich?
Antwort: Einmal waren es die Dialoge mit zwei Typen von Intermediären, die an den Einzelprojekten beteiligt waren.
Typ 1: die so genannte Durchführungsinstanz, ein Unternehmen, das alle Projekte von der Ideenskizze, dem Businessplan über die Antragsstellung bis zur Projektdurchführung begleitete;
Typ 2: netzwerkknüpfende Intermediäre, die als technische Dienstleister die Unternehmen unterstützten und damit direkt am ökonomischen Erfolg beteiligt sind.
Eine weitere Quelle für Erkenntnisse während des Prozesses war die prozessbegleitende Evaluation. Sie wirkte sich direkt auf die folgende Projektstufe aus. Da der technologiebedingte Strukturwandel im Zentrum des Projektes stand, ging es nicht um neue technologische Produkte und Verfahren. Die neuen Formen der betrieblichen Wertschöpfung, des gemeinsamen Handelns mit Partnerunternehmen und der dafür notwendigen neuartigen Befähigung zur regionalen Strukturentwicklung können nicht vorgegeben werden. Sie sind im Prozess zu entwickeln.
Dynamische Organisation des Programms
Das BIEM-Programm konnte sich mit seinem methodischen Ansatz auf die Erfahrungen des RISI-Prozesse s stützen. Die Regional-Infomation-Society-Initiative (RISI) ist eine methodische Initiative vieler europäischer Regionen, um auf den Wandlungsprozess, den neue Technologien auslösen, dynamisch reagieren zu können. Worum geht es?
Jeder Eingriff in bestehende Unternehmensstrukturen setzt neue Bedingungen und erfordert eine zeitnahe Neujustierung des Projektziels. Nur so kann die entstehende Dynamik erhalten bleiben und genutzt werden, die das jeweilige Projekt bei den beteiligten Unternehmen auslöst. Die nachstehenden Beispiele zu den einzelnen Programmlinien bb.netz, bb.media, bb.markt und bb.markt-E-Health machten dies deutlich.

Ein vergleichbares dynamisches Vorgehen galt es auch für die Programmsteuerung durch die Projektleitung selbst zu organisieren. Die rückgekoppelte Programmevaluation während des gesamten Prozesses machte eine mehrfache Neujustierung von BIEM möglich. Neue Ansätze konnten frühzeitig berücksichtigt werden und das Programm aktiv mitgestalten. Die Prozessevaluation war das Instrument, das ein stufenweises Vorgehen sicherte. Die „Innovativen Maßnahmen" der EU lassen ein solches Vorgehen im Unterschied zu herkömmlichen europäischen Förderprogrammen ausdrücklich zu. Die Beispiele zu den einzelnen Programmlinien bb.netz, bb.media, bb.markt und bb.markt-E-Health (siehe auch nachfolgende Projektbeschreibungen) zeigen diese Dynamik im Projekt.
Neue intermediäre Dienstleister unterstützen neuartige Kooperationsformen
Im Verlauf der Programmdurchführung wurde deutlich, warum die vorhandenen Intermediäre wie Technologietransferstellen oder Wirtschaftsförderer den notwendigen Strukturwandel in und zwischen den Unternehmen bisher nicht ausreichend fördern konnten. Sie achten noch zu sehr auf die Technologien selbst und zu wenig auf den Strukturwandel, den diese am Markt und bei den Unternehmen auslösen. Wie wir beobachten konnten, unterstützen intermediäre Dienstleister zunehmend diese neuartige Dynamik.
Die Erkenntnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die neuen Unternehmensstrukturen erfordern ein verstärktes und abgestimmtes Miteinander. Dazu sind die technologiebasierten
Geschäftsprozesse in und zwischen den Unternehmen zu standardisieren und zu integrieren. Diese neuen Strukturen werden jedoch erst dann wirtschaftlich tragfähig, wenn neuartige intermediäre Dienstleister sie wie industrielle Dienstleistungsprodukte für viele solche Netzwerke anbieten und ständig weiterentwickeln.
Verfahren und Erkenntnisse - vom Projektträger zum dynamischen Projektgestalter
Wie wichtig diese intermediären Voraussetzungen sind, um neue Technologien zur Gestaltung neuartiger Wirtschaftsstrukturen effektiv zu nutzen, haben alle Projekte gezeigt. Unternehmenskooperationen, Netzwerke, Cluster bedürfen jedoch jeweils spezifischer intermediärer Dienstleistungen, die diese aufbauen, erhalten und weiterentwickeln. Nach ihren Funktionen unterscheiden wir zwei Typen dieser Intermediäre:
Typ 1: übergeordnete Intermediäre, die die Unternehmen beim Strukturwandel begleiten. Es können Kammern, Wirtschaftsförderer oder - wie beim BIEM-Programm - Projektgestalter (Durchführungsinstanzen) sein.
Typ 2: intermediäre, technische Dienstleister, die helfen, die Unternehmensstrukturen zu verändern. Sie entwickeln Dienstleistungen, die sie nicht nur für ein Unternehmen, sondern standardisiert (industrialisiert) vielen zur Verfügung stellen und weiterentwickeln. Nur so ist eine kostendeckende Entwicklung und Nutzung intermediärer Dienste wirtschaftlich.
Was bedeutet diese Erkenntnis für private und öffentliche Institutionen wie Kammern und Wirtschaftsförderer, die den unternehmerischen Strukturwandel begleiten und fördern wollen? Es bedarf eines Prozedurwechsels vom Projektträger zum dynamischen Projektmitgestalter. Neue Befähigungen können im dialogischen Zusammenspiel zwischen Förderer, Intermediär und Unternehmen die bestehenden Blockaden lösen, die heute noch den technologiegetriebenen Wandel der Unternehmensstrukturen behindern. Die sichtbaren Märkte sind meist schon besetzt und schwer zu erschließen. Für strukturschwache Regionen kommt es verstärkt darauf an, die Möglichkeiten zu erkennen, die in der Nutzung neuer Technologien liegen. So eröffnen sich auch für kleine Unternehmen Chancen, neue Märkte zu erobern.
Nachhaltigkeit der Programmerfahrungen
Welche Ansätze aus BIEM können künftig helfen, die regionale Strukturpolitik zu bereichern, um volkswirtschaftlich nachhaltige Effekte zu erzielen?
Wir müssen von einer punktuellen Einzelförderung zu einer breiten Bewusstseinsbildung und Befähigung der KMU zum Strukturwandel kommen. Von der Sensibilisierung durch die Kammern und den Förderinstrumenten des Staates bis zur Umsetzung im Markt sind dynamische und kooperative Verfahren einzuüben, die konsequent darauf orientiert sind, neue Technologien nicht nur zu entwickeln, sondern sie auch in der betrieblichen Praxis verstärkt zu nutzen. Der strukturelle Wandel, den die innovativen Technologien auslösen, wird zu einer vermehrten Wertschöpfung regionaler Unternehmen führen. Die Beispiele haben gezeigt, dass diese veränderten betrieblichen
Strukturen die Umsätze der Unternehmen in kurzer Zeit vervielfachen können.
Konkret bedeutet dies:
Für die Unternehmen: Eine effiziente Nutzung neuer Technologien zur Erschließung und Schaffung neuer Märkte erfordert eine ständige Anpassung der in Kooperation entwickelten, produzierten und vertriebenen Produkte und Dienstleistungen. Der ständige technologische Wandel lässt sich nicht mit starren Strukturen bewältigen. Er bedarf intermediärer Dienstleister, die ihre Dienste nicht für jedes Projekt in Einzelfertigung basteln, sondern wie ein Industrieprodukt für viele Betriebe anbieten und weiterentwickeln. Nur so können die hohen Entwicklungskosten refinanziert und dennoch die Einzelwünsche der Kunden und beteiligten Unternehmen erfüllt werden.
Für den Staat: Strategisch offene Förderprogramme, die gerade für kleine Unternehmen Optionen für eine Zieljustierung während
der Projektlaufzeit ermöglichen und in denen Institutionen wie die ZukunftsAgentur Brandenburg mit einem neuen Charakter als prozessbegleitende Intermediäre agieren.
Dr. Matthias Artzt
Ministerium für Wirtschaft
und Europaangelegenheiten
des Landes Brandenburg



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